Das schwere Leben eines Künstlers


Es ist nicht leicht ein Künstler zu sein. Es ist so gar schwer, verdammt schwer. Ein hartes Brot sozusagen. Ich meine damit nicht Hunger, kreative Krisen oder chronische Finanznot, sondern es sind Groupies, Groupies und nochmals Groupies. Dieses ständige Pulk weiblicher Fans der einen umlagert ist furchtbar. Und erst die ungeniert vorgetragenen Entjungferungswünsche sechzehnjähriger Teenager. Nur mit Mühe kann sich ein verantwortungsbewußter Künstler wie ich, sich diesen entziehen. Doch welcher Mann kennt schon alle Tricks, mit denen sich eine Frau versucht Zugang zu seinen Bett zu verschaffen. Da wird der Hotelpage von der Kleinen mit den große Brüsten und der blonden Mähne schon mal mit etwas Petting bestochen , um die Zimmernummer zu erfahren. Erfahrenere Groupies lernen es, den Hintereingang zu benutzen, um den Weg ins gelobte Bett zu finden. Und dann erst die Ansprüche heutzutage! Kaum weigert man sich, mehr als eine pro Nacht zu beglücken, bricht ein wütender Proteststurm los. Und sie können mir glauben, wenn ich erschöpft von einem Konzert, einer Lesung oder einem Live-Auftritt im Fernsehen rücklings auf dem Sofa liege und irgendeine Unbekannte gerade mein Gemächt verwöhnt, ist es definitiv abtörnend, wenn eine zahnspangenbewerte Meute gegen die Tür hämmert. Dieser Haufen schlüpferloser, geiler Weiber, der nichts anderes kennt, als die Sucht in meinem Bett zu liegen, aus meinem Schwanz zu trinken und aus meiner Hand zu fressen. Doch lasse ich sie dann hinein ist das Geschrei nur um so größer. Keine ist bereit sich mich mit einer anderen zu teilen. Schmeiße ich dann die Hälfte wieder hinaus, um im Bett etwas Platz für mich zu schaffen, geht so etwas nicht ohne ein bißchen Gewalt, Tränen und zertrümmertes Mobiliar. Die Presse schreibt dann ungeniert Artikel über meine skandalösen Privatorgien. Als wenn ich auf die Idee gekommen wäre, mit drei Frauen im Bett zu liegen. Frechheit. Nein, glauben sie mir. Dieses Leben wünsche ich keinem. Vielleicht sollte ich auswandern. Für Brasiliens Copa Cabana besitze ich schon seit längerem eine Schwäche. Oh, ja. Am Strand liegen, eine eiskalten Martini schlürfen und dabei sanft den Rücken massiert zu bekommen... Die ist durchaus eine akzeptable Alternative. Doch wie ich mich kenne, daurtes nicht lange und irgendeine dunkelhäutige Bikini-Schönheit setzt sich neben mich und fragt: "Sind sie nicht Herr Schoeninger? Ich kenne sie aus dem Fernsehen!" und alles fängt von vorne an.Darum erfreuen sie sich an einem normalen Leben und bleiben sie aus diesem Grund immer anständig, moralisch und sauber und grüßen sie mir alle, die sie Barfuß treffen.

Copyright Krischan von Schoeninger 2001


Krischan von Schoeninger

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