Das Comeback der Sexklassiker

Krischan von Schoeninger 


Zuerst die erfreuliche Nachricht. Der gute alte Dildo und die aufblasbare Gummipuppe sind wieder trendy. Nach Jahren der Stagnation, in denen vergnügungssüchtige Sexjunkies einen virtuellen Lust-Kick aus den unendlichen Weiten des Internetes bevorzugten sind vorbei. Man legt wieder klassisch Hand an sich selbst und entdeckt wieder die eigenen Reize. Die Industrie hat dies erkannt und sofort reagiert. So ist die aktuelle Winterkollektion aller bedeutender Hersteller sexueller Hilfsmittel perfekt durchgestylt und runderneuert. Poppig bunte Erektionspumpen im Colani-Design und Dildos im iMac-Look locken zum Kauf. Geschmackvoll verpackt und befreit vom Image des Schmuddeligen. Aufblasbare Gummipuppen, vollgestopft mit dem geballten Know-how russischer Langzeitkosmonauten, warten mit drei naturgetreu nachgestalteten Körperöffnungen auf den einsamen Liebsten. Sie können sogar stöhnen und per Kabelsteuerung mit dem Unterleib zappeln.
Raffiniert konstruierte Lustgrotten empfehlen sich für den schnellen Gebrauch zwischendurch. Ob im Büro oder in der Bahn. Die neueste Generation dieser faustgroßen Lustspender surrt lautlos und trotzdem kraftvoll vor sich hin. Ein geradezu faustisches Vergnügen.
Es macht also wieder Spaß in einen normalen Sex-Shop einzukaufen. So weit so gut...
Doch nun die schlechte Nachricht: umfangreiche Recherchen haben ergeben - den meisten der Produkte mangelt es an Qualität. Nähte platzen schon beim dritten Mal. Kaputte Motoren sind keine Seltenheit und angeblich wasserdichte Dildos, bescheren dem Benutzer unter der Dusche einen netten Stromschlag im Lustzentrum. Was tun? Reklamieren? Mit dem Kassenbon zum Verkäufer gehen und den Hergang erklären? Den Hersteller auf Schmerzensgeld verklagen? Möglich, doch wer macht das schon. Aus diesem Grund gibt es in dieser Branche in keiner Firma eine Reklamationsabteilung. Sie wird schlicht nicht gebraucht.
Wenn Stiftung Warentest anfangen würde, mal endlich interessante Produkte zu testen wäre das Ergebnis wahrscheinlich verheerend.
Darum ist es besser, wenn sie ihren noppengezackten Gummiring per Katalog bestellen. Sie sitzen ungestört zu Hause und müssen vor dem Dildo-Sortiment nicht betont uninteressiert vor sich hin blicken. Und wenn ihnen die schicke Latexhose nicht paßt, die sie vor 24 Stunden per Express geordert haben, können Sie sie wieder zurückschicken. Per Post und ganz anonym.
Aber vielleicht haben sie mit ihrem Wollust-Set "Made in China" ja Glück und noch viele ungetrübte Stunden der Lust vor sich. Ich würde es Ihnen wünschen. Doch bei alledem bleiben Sie mir ja anständig, moralisch und sauber und grüßen Sie mir alle, die Sie barfuß treffen.

Copyright Krischan von Schoeninger 2000

 

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