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Glatthäutig
Sie fiel mir auf, als sie neben mir in der Straßenbahn saß. Ihre Oberschenkel lagen brach, und ich war sofort in sie vernarrt. Ein Blick in ihr Gesicht reichte, um mich davon zu überzeugen, dass diese Frau mein Leben verändern würde. Ein paar Tage später küssten wir uns von der Dunkelheit geschützt im Kino. Nach der Vorstellung im Restaurant ließ sie es zu, dass ich mit ihren nackten Zehen spielte. Da ich mit den Händen auch ihre Unterschenkel massierte, fiel mir auf, dass ihre Haut von einer fast unheimlichen Glätte war. Acht Tage später konnte ich Zeuge einer unbehaarten Scham werden. Ich bat gar nicht erst um Erlaubnis, ihren Körper erkunden zu dürfen, sondern küsste ihn an allen Stellen ab, fuhr oft ungläubig mit den Fingern die Stellen nach, die mein Mund bereits geschmeckt hatte. Nicht der zarteste Flaum besiedelte ihre Haut. Sie selbst wusste es offensichtlich nicht, bis ich es ihr sagte, da sie mich überrascht ansah. Ich war mir sicher, mit einem Naturphänomen verheiratet zu sein, dachte ich mir acht Jahre später, als ich mit Nadja zusammen vier Kinder gezeugt hatte. Auf keines unserer Produkte trauter Zweisamkeit war die Besonderheit der Mutter vererbt worden. Immer wieder war ich entzückt davon, dieser Glätte ausgeliefert zu sein. Erst nach zehn Jahren Ehe gab ich mich wieder mit einer anderen Frau ab. Ein junges Mädchen hatte mich auf der Straße angesprochen, und um ein bisschen Geld gebeten. Sie trug total verdreckte Kleidung, und sagte mir, dass sie obdachlos, und natürlich ohne Arbeit sei. Ich versprach, ihr Kleidung und einen Job zu besorgen, wenn sie sich mit mir jeden Tag zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort treffen würde, sodass wir uns küssen sollten. Sie war mit meinem Vorschlag einverstanden, und unsere Lippen fanden kurze Zeit später einander. Ich kleidete sie in den nächsten Wochen ein, und verschaffte ihr eine Arbeit als Bedienerin bei einer renommierten Firma, wo ich im Vorstand war. Nur wenig später fand sie bereits ein Obdach in einer Wohngemeinschaft. Ohne es vorgehabt zu haben, schliefen wir bald, nachdem sie in ihrem neuen Heim eingezogen war, miteinander, und zwar nahezu jeden Tag, wenn der Mond bereits aufgegangen war. Meiner glatten Frau fielen meine Absenzen schon bald auf, ohne dass sie etwas gesagt hätte. Als Nadja ein Jahr nach dem Beginn der Affäre meinen Betrug an ihr herausfand, beschwor ich sie auf Knien, sogleich mit diesem Unsinn aufzuhören, und ihr wieder treu zu sein. Es erwies sich jedoch als Schuss nach hinten, da es sich herausstellte, dass meine Geliebte weitläufig mit ihr verwandt war. Somit ließen wir uns auf eine Dreiecks-Beziehung ein, die jedoch nur drei Monate gut ging. Die beiden Frauen waren aufeinander eifersüchtig, und zwar aus nichtigen Gründen. Als Olivia, das Mädchen meiner Träume, herausfand, dass Nadja eine seidenweiche Haut hat, war sie von ihr wie elektrisiert. Meine jetzige Ex-Frau ließ sich von dem Mädchen verführen, und die beiden leben nunmehr gemeinsam mit den vier Kindern in meiner ehemaligen Wohnung. Ich stattdessen hause in einer Junggesellenbude. Gegenwärtig unterhalte ich lockere Beziehungen mit einer achtzigjährigen Stadtstreicherin, und einer fünfzehnjährigen Geheimprostituierten. Die Stadtstreicherin liebt es, gestreichelt zu werden, und verwöhnt mich gern, wenn ich ihr einige Schillinge zustecke. Die Geheimprostituierte verfügt nur über wenig Kundschaft, und freut sich, wenn ich sie besuche. Beide sind sich meiner Verrücktheit bewusst, da ich nach wie vor einmal die Woche meine Ex-Frau besuche, und ihren nackten Körper erkunde. Ich kann mich noch nicht daran gewöhnen, dass meine Kinder auf mich zeigen, und manchmal lachen, wenn sie mich auf der Straße sehen. Sie verstehen nicht, warum ich Frauenkleidung trage, und können nicht wissen, dass ich nur aus Trotz mit Frauen schlafe.
Copyright Jürgen Heimlich 2001
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