Sie sind hier: >>> Literatur >>> Geschichten
Abgrund ist nah, Der
Es trug sich zu, als ich meinen Lebensunterhalt in jungen Jahren in einem äußerst verwirrenden Komplex von Büros verdienen musste. Damals war es eine Notlösung, den Bürodiener und Schwächling zu spielen. Trotz meiner Intelligenz und überdurchschnittlich entwickelter Persönlichkeit behandelten mich meine verwirrten Kollegen äußerst schlecht und ließen keine Begeisterung aufkommen, wenn sie mir ein Wort herauslockten. Als ich im üblichen Zustand der Depression und Leere um die Mittagszeit das Arbeitszimmer verließ, welches mich stundenlang gelangweilt hatte (und von seltsamen Leuten bevölkert war), um draußen (wo sich das Leben abspielte) frische Luft zu schnappen und meinen Hunger zu stillen, fiel mir auf den Weg zur vierten Stiege in Block C eine junge Frau auf, die in sich zusammengesunken auf einer der Bänke für Kunden kauerte. Ich richtete meinen Blick auf sie und sie sah entgeistert mit ihren blauen Augen zu mir auf, der ich sie im Vorbeigehen musterte."Holen Sie bitte Herrn Pfeil", sagte sie mit gequälter, ernster Stimme. "Er muss dort in diesem Zimmer sein." Sie zeigte mit der Hand in Richtung des Zimmers der Abteilung CX-9. "Bitte!"
Natürlich war ich ganz Gentleman und so begab ich mich zu besagtem Raum. Es waren wenig Leute zu sehen. Ich fragte eine ältere Dame, die ich flüchtig kannte, ob Herr Pfeil anwesend sei. Es sei sehr dringend. Eine jüngere Dame bräuchte seine Hilfe. Sie sei womöglich gebrechlich oder hätte einen Nervenzusammenbruch erlitten.
Die Dame sah mich mit großen Augen an und hauchte mit erotischer Stimme, dass Herr Pfeil nicht da sei. Er wäre schon längst gegangen. Und im übrigen bräuchte ich keine Ausrede für meinen Besuch zu suchen. Es sei höchst sonderbar, dass ich um die Mittagsstunde, zu der nur sehr wenige Leute in den diversen Zimmern aufzufinden seien, ausgerechnet der Abteilung CX-9 einen Besuch abstatten würde. Sie bat darum, dass ich mich setzen solle.
"Die jüngere Dame wartet", sagte ich fast aufgebracht.
"Vielleicht geht es um Leben und Tod!"
"Glaube ich kaum", meinte sie kurz. "Ich weiß, dass Sie es schon längere Zeit auf mich abgesehen haben. Sie brauchen es nicht zu leugnen. Ich habe gegen eine Bekanntschaft nichts einzuwenden. Sie glauben vielleicht, dass es nicht erlaubt ist, eine Frau zu umwerben, die Ihre Mutter sein könnte und auch tatsächlich einen Sohn in Ihrem Alter hat. Sie haben ihn ja gesehen, meinen Teddy, nicht wahr?" Sie hielt kurz inne. Ich hatte immer bloß das Bild von der möglicherweise schwer vom Schicksal getroffenen Frau vor Augen. "Sie hören ja gar nicht zu!", flüsterte sie sanft und küsste mich auf die Wange. "Wir können uns in die hinteren Büros zurückziehen", sagte sie und nahm mich bei der Hand. "Dort können wir freier reden!" Ich dachte, dass es sich um einen sehr üblen Trick handelte, der auf ein Gelingen hinauslief.
Als sie sich splitternackt auszog, erkannte ich, dass ich im falschen Zimmer war. Hier hatte ich nichts verloren.
"Ist die junge Dame draußen vielleicht Ihre Komplizin?"
"Wie kommen Sie darauf! Ich kenne keinen Herrn Pfeil", hauchte sie mir ins Ohr und presste dabei ihren nackten Körper an meinen Anzug.
Ich hatte noch nie im Leben mit einer Frau geschlafen. Außerdem fand ich die Situation grotesk. Die junge Frau mochte jetzt schon ganz dem Wahnsinn verfallen sein, während ich die bereits etwas faltigen, recht großen Brüste meiner gewillten Gespielin fast unbewusst mit den Händen bearbeitete.
"Kommen Sie, mein Junge. Ziehen Sie sich aus. Wir haben alle Zeit der Welt." Sie bemerkte, dass ich keine Anstalten machte, mich auszuziehen und so besorgte sie es selbst. "Ich weiß, dass Sie mich schon immer haben wollten", stöhnte sie fast, während sie mich meines letzten Kleidungsstückes befreite. "Und wenn ich die erste bin, so können Sie sich sicher sein, dass ich mir Mühe geben werde." Langsam presste sie ihren nackten Körper an meinen nackten Körper. "Machen Sie uns beide glücklich und stoßen Sie, wie es Ihnen beliebt", nuschelte sie fast unter Tränen. Es ließ sich nicht verhindern, dass ich zum Tier wurde und meine ältere Freundin in höchste Lust versetzte, indem ich wilde Zungenküsse mit ihr austauschte und ihre Oberschenkel an meine Hüften presste. Wir tranken aus der Quelle der Lust und sie bot mir immer wieder andere Möglichkeiten an, diese Lust zu befriedigen. Nach unendlich langer Zeit rollten wir dann wie ein nackter Körper durch den Raum und stießen Laute aus, wie ich sie bis zu diesem Zeitpunkt noch nie vernommen hatte.
"Grüßen Sie die jüngere Dame und sagen Sie ihr, Sie hätten versucht, Herrn Pfeil zu erreichen; er sei jedoch unauffindbar." Sie gab mir zum Abschied die Hand. "Und besuchen Sie mich bald wieder." Ich verließ sie mit einem Lächeln auf den Lippen.
Es verwunderte mich nicht, dass die junge Dame nackt auf dem verschmutzten Boden lag. Ich dachte einen Moment, sie sei tot. Aber sie vernahm meine Schritte und stand mühsam auf. "Halten Sie mich, sonst falle ich zu Boden und breche mir alle Knochen!" Ich stützte sie und führte sie zur Bank. Sie setzte sich mit einem Seufzer nieder. "Sie haben mit Franziska geschlafen, statt Herrn Pfeil zu holen. Sie sind ein sehr egoistischer Mensch."
"Herr Pfeil war nicht dort. Sie werden mir doch nicht erzählen wollen, dass es so einen Mann gibt." "Natürlich. Er ist der Liebhaber von Franziska. Ich wollte mit ihm über Franziska sprechen. Ich bin allein wegen Franziska hergekommen, um mit ihr zu schlafen. Sie liebt mich." Eine kleine Horde von Leuten ging unbemerkt an uns vorbei; schweigend und wild gestikulierend. "Tragen Sie mich zu Franziska. Ich habe etwas mit dem Herzen." Wenngleich ich diese Äußerung seltsam fand, trug ich sie gehorsam zu Franziska. Vorbei an diversen betagten Herren, die gar nicht von ihren Akten aufsahen, vorbei an Damen, deren Gesichtsfarbe schnell auf rot umschlug. Franziska befriedigte sich gerade selbst, als wir ihr Zimmer betraten. Sie winkte mich heran und sagte mir, dass ich den jungen Körper sanft auf ihren Körper legen solle. Ich tat es und meine Liebhaberin dankte mir mit einem Kopfnicken. Die beiden Frauen lagen aufeinander und begannen sehr sachte miteinander zu spielen. Das alte, lüsterne Mädchen küsste die Schamhaare ihrer Gefährtin, während diese still dalag. Dann verflochten sich die beiden Leiber ineinander und es spielten sich Szenen ab, die unmöglich zu beschreiben sind. Die Lust von Franziska war heute scheinbar grenzenlos und so sprang sie wie eine Tigerin auf mich zu, nachdem sie ihre Freundin sexuell belustigt hatte, und wollte mich zum wiederholten Geschlechtsverkehr animieren. Als ich mich zur Wehr setzte, da ich ihre Lust als übertrieben empfand und mich kaum von den anderen Geschlechtsakten erholt hatte, rief sie ihre Partnerin herbei und die beiden setzten sich so auf mich, dass ich bewegungsunfähig war. Sie entkleideten mich, der ich ein schwaches Opfer war, in Sekundenschnelle. Dann drang ich zu meiner Überraschung in die junge Frau ein, die sich blitzschnell dazu entschlossen hatte, mir den Rest meines Verstandes zu rauben. Beklatscht von Franziska steigerte sich das Fräulein in einen Lustrausch und ließ erst von mir ab, als die Sirene zum Arbeitsende ertönte. Damit nicht genug; besprang mich auch noch die reißende Tigerin und trieb es mit mir bis zum bitteren Ende.
Ich war furchtbar verschwitzt, als Franziska offenbar ein Orgasmus ereilte, der sich in Schreien ausdrückte, die bei den anderen Akten ausgeblieben waren. Schließlich lagen wir alle nackt auf dem Boden; ausgepumpt und zufrieden.
Ich nahm dieses seltsame Erlebnis zum Anlass, mein Leben zu überdenken. Mir war bewusst, dass mich zwei sexuell revoltierende Frauen in ihre Gewalt gebracht hatten, um sich all die Träume erfüllen zu können, die sie sich in ihren allerwildesten Phantasien erdacht hatten. Es kam aber zu einem Gespräch zwischen uns dreien, das sehr offen gestaltet wurde und mir Klarheiten über die Sache verschaffte. Die Jüngere der beiden zeigte mir von Heulkrämpfen geschüttelt ein ärztliches Attest, das besagte, dass sie höchstens noch wenige Monate zu leben habe. Sie schlief mit mir, sagte sie närrisch lächelnd, da sie noch nie mit einem Mann zusammen gewesen sei, und vor ihrem Tode eine heterosexuelle Beziehung voll auskosten wolle. Sie sprach sich, um mich zu überrumpeln, mit ihrer Tante ab, die mich verführen sollte, um mich dann in die Falle gehen zu lassen. Die Tante sei sexuell unbefriedigt; hätte viele wertlose Beziehungen durchgemacht und wolle, dass ich mich mit ihr und ihrer Nichte sexuell verbünden solle. Seit einigen Monaten schliefe die Tante regelmäßig mit ihr, um sie von der Verzweiflung abzuhalten, die sich einstellen würde, wenn Einsamkeit und Isolation vorherrschen würden.
Ich nahm die Totgeweihte zärtlich in die Arme und versprach, ihren Wunsch zu erfüllen. In düsteren Momenten dachte ich mir, dass es sich um einen besonders raffinierten Trick handeln würde, aber als ich die blasse Frau genau musterte, glaubte ich Todesangst in ihren Augen zu lesen.
Die Tante sagte mir, dass es rein technisch unmöglich wäre, die sexuellen Beziehungen im Bürogebäude in ihrem Arbeitszimmer zu unterhalten, da sich bereits bei den ersten ekstatischen Erlebnissen insbesondere männliche Kollegen der Abteilung CX-9 über das unüberhörbare, lustvolle Gestöhne aufgeregt hatten und damit drohten, den Chef zu konsultieren, falls dies nicht bald ein Ende hätte. Besonders, da es das Arbeitsklima stark beeinträchtigte.
Sodann machte sie mir den Vorschlag, unsere Treffen in ihrem kleinen Wochenendhäuschen zu veranstalten, das ihr einmal ein Liebhaber im Suff geschenkt hatte. Außerdem seien die Kontakte insofern auszuweiten, dass die persönliche, seelische Ebene in die Dreierbeziehung einfließen solle. Es sei eindeutig notwendig, meinte sie, dass ich mich über den Tod der Nichte hinaus mit ihr in jeder Weise arrangieren solle, da sie beabsichtige, mich auf ausdrücklichem Wunsch Madeleines in späterer Folge zum Mann zu nehmen. All das kam in einem einzigen Gespräch auf mich zugeschleudert. Selbstverständlich verneinte ich meinen Willen zur Heirat, auch wenn die Nichte dies noch so sehr wünsche. Eher noch würde ich mich mit Madeleine verheiraten. Wir einigten uns schließlich darauf, einige Wochen gemeinsam Urlaub zu machen und uns die ganze Sache zu überlegen.
Mit Entsetzen musste ich feststellen, dass es Madeleine von Tag zu Tag schlechter ging. Trotzdem bestand sie darauf, mit mir zu schlafen und mir beim Geschlechtsakt mit Franziska zuzusehen. Auch masturbierte sie häufig und praktizierte gleichgeschlechtliche Liebe mit ihrer Tante. Madeleine verschied schneller als erwartet. Ihre Tante litt sehr unter dem Verlust. Ihre Lust stieg in dieser Zeit beträchtlich, da dies für sie der Weg war, ihre Depressionen zu überwinden. Sie ließ sich nicht davon überzeugen, dass sie ihre Traurigkeit künstlich unterdrücken wolle. So steigerte sie ihre sexuellen Aktivitäten auf ein Höchstmaß, dem ich kaum gewachsen war. Sie ließ keine Nacht aus und erwartete mich oft nackt, wenn ich spät in der Nacht zu ihr nach Hause kam. Sie warf sich mir dann an den Hals und hatte mich bald soweit, dass ich es ihr besorgte. Oft animierte sie mich zu abartigen Techniken, die ich anfangs sehr ungeschickt ausführte. Da sie bereits aus dem gebärfähigen Alter heraus war und mir mit eiserner Disziplin (und aus Liebe, wie sie zärtlich beteuerte) die Treue hielt, praktizierten wir die diversen Liebesakte ungeschützt. Auch wenn sie es nicht zugab, erkannte ich in zunehmenden Maße, dass sie sich seelisch zugrunde richtete und so versuchte ich meine Einfühlungskünste in die weibliche Psyche anzuwenden. Sie ließ sich von mir überhaupt nicht helfen, sondern drohte mir damit, sich einen anderen Sexualpartner zu suchen, falls ich sie nicht in Ruhe ließe. Ich schickte sie unter Vorwänden zu einem Psychiater. Sie kam tränenüberströmt und mutlos zurück. Selbst ihre geistigen Fähigkeiten schmälerten sich in rasendem Tempo. Ihr Zustand war so hoffnungslos, dass ich sie nicht allein lassen durfte.
Je mehr sie der totalen Verrücktheit zusteuerte, desto häufiger zeigte sie mir ihren Willen zum Geschlechtsverkehr. Einmal wachte ich auf, als sie sich, während ich schlief, meinen Penis eingeführt hatte und mit eingefrorenem Lächeln mit einer immer größer werdenden Geschwindigkeit dem Orgasmus zusteuerte. Darauf begann ich zu toben, nachdem sie mit unüberbietbaren Schreien den Geschlechtsakt ihrerseits beendet hatte, da ich erkannte, dass ich mich von ihr lösen musste, wenn ich nicht tot und verbraucht im besten Mannesalter enden wollte. Nachdem sie sich entschuldigt hatte, schnitt sie sich im Badezimmer die Pulsadern auf. Sie überlebte den Selbstmordversuch und wurde nach mehrtägigem Krankenhausaufenthalt in eine psychiatrische Klinik eingeliefert. Da ihr dort die sexuelle Betätigung mit Männern oder Frauen verboten war, erzählte sie mir, als ich sie besuchte, dass sie mehrmals am Tag masturbiere und immer verrückter würde. Langsam sah sie ihren eigenen Untergang voraus. Die Ärzte sagten mir, solche Fälle gäbe es sehr selten, dass eine Frau weit über das Normalmaß gelebter Sexualität hinausginge und dabei sich selbst systematisch zerstöre. Nach einigen Wochen erklärten sie mir, dass sich die Persönlichkeit der Frau nur mehr auf Sexualität richten könne. Erst, nachdem man ihr einen Vibrator überreicht hatte, der ihre Masturbationsfähigkeit begünstigte, aß sie gehorsam und gesittet. Sie wirkte verwahrlost und war völlig desorientiert. Erstaunlicherweise hatte der Entzug von gelebter Sexualität in ihrem Fall doch Wirkung: Sie schien ruhiger und gefasster zu sein. Nach Ablauf von etwa acht Monaten entschloss ich mich auf Empfehlung der Ärzte, ihre Entlassung zu beantragen.
Kurz nach ihrer Rückkunft sagte sie mir, dass es ihr leid tue, mir Unannehmlichkeiten bereitet zu haben. Ihre sexuelle Gier habe ihre Persönlichkeit zerstört. Daraufhin etwa zwei Wochen später erklärte sie mir strahlend, zur Heirat bereit zu sein. Es dauerte aber noch ein Weilchen, ehe wir dann tatsächlich zum Traualtar schritten. Da unsere Beziehung plötzlich in erster Linie seelischer Natur war, brauchte ich mir nichts vorzuwerfen. Die Heirat war legitim, da wir einander brauchten. Ihre sexuellen Bedürfnisse waren zwar überdurchschnittlich; deckten sich aber mit meinem Sexualtrieb. Ich machte mir wegen der Möglichkeit gröberer sexueller Probleme ihrerseits keine Sorgen, weil sie selbst im Vergleich zu früheren Jahren, als sie mich noch nicht kannte, weit weniger sexuell aktiv war, wie sie mir berichtete. Sie erklärte mir einmal bereitwillig, dass für sie Sexualität lange Zeit zur Konfliktlösung diente. Sie sei nie nach Sex süchtig gewesen, sondern habe mit Hilfe von Sex ihr Selbstbewusstsein stärken können. Der Tod ihrer Nichte hätte sie aber sehr mitgenommen; nicht nur, weil ihr der intime Kontakt zu Madeleine wichtig gewesen sei, sondern, weil sie viele Jahre ihre einzige, wahre Freundin gewesen war. In der Psychiatrie habe sie über all diese Dinge nachgedacht und sei zur Erkenntnis gelangt, ihr bisheriges Leben als völlig misslungen zu kennzeichnen.
Ich freute mich über ihre sehr positiven Veränderungen in seelischer Hinsicht. Es ereignete sich aber mitten in den Flitterwochen etwas äußerst seltsames. Franziska hatte schreckliche Alpträume, die sie Nacht für Nacht aus dem Schlaf rissen. Sie erzählte mir nicht von diesen Träumen, da eine sehr intime Angelegenheit Gegenstand des Traumes sei. Zu dieser Zeit stieg ihr sexuelles Verlangen beträchtlich, war aber bei weitem nicht so groß wie nach Madeleines Tod. Daraus, dass sie häufig sogar neben mir im Bett masturbierte, konnte ich eine Extremsituation ableiten, in der sie sich nunmehr befinden mochte. Erst nach vielen Wochen entschloss sie sich, mir diesen ewig wiederkehrenden Alptraum zu erzählen: Sie träumte, dass sie sich mit Madeleine vergnügte, bis ein Mann mit furchterregendem Gesicht sie beide trennte und Madeleine vor ihren Augen grausam vergewaltigte. Dieser Mann sei der ominöse Herr Pfeil; ein einstiger liebeshungriger Kavalier der alten Schule, der Madeleine zu erobern versucht hatte, was ihm jedoch nie gelungen war.
Da ich in den folgenden Nächten erkannte, dass sich Franziska sehr unwohl fühlte und schon von mir ins Unterbewusstsein verdrängte Persönlichkeitsmerkmale erkennen ließ, entschied ich mich dafür, mit ihr gemeinsam Herrn Pfeil aufzusuchen. Wir konnten ihn tatsächlich ausfindig machen und da sich Franziska genierte, erzählte ich ihm vom Grund unseres Besuches. Herr Pfeil war tief erschüttert und beteuerte, es unfassbar zu finden, in einem so schrecklichen Traum als Vergewaltiger aufzutreten und er sich für alles entschuldigen würde, was damals vorgefallen war. Wie sich herausstellte, hatte er mit Franziska längere Zeit sexuellen Kontakt gehabt; sie sei aber nie dem Höhepunkt nahe gekommen und hätte ihn deswegen fallen lassen wie eine faule Kartoffel. Darauf habe er versucht, Madeleine vor den Augen von Franziska zum Beischlaf zu zwingen; Franziska hätte das aber nicht zugelassen und geschrieen, dass ihre Nichte keine Hure wäre. Wenn er etwas erleben wolle, so könne er ihnen beim gleichgeschlechtlichen Liebesakt zusehen oder bei der Masturbation; das hätten sie beide gerne. Er willigte tatsächlich ein, von diesem Angebot Gebrauch zu machen. Einmal hätte ihn die Lust aber so gepackt, sodass er Tante und Nichte während des Liebesaktes gewaltsam trennte, Franziska die Hände hielt und brutal seinen Penis in ihr Geschlecht einführte. Franziska hätte versucht, ihn von sich abzustoßen, aber er hatte sie bloß ausgelacht. Währenddessen wäre Madeleine heulend von hinten auf ihn losgegangen und hätte ihn gewürgt. Er hätte sie mit einer plötzlichen Bewegung auf den Boden geworfen, sodass sie ihr Bewusstsein verlor. Dann hätte er Franziska wie ein Stück Vieh behandelt und sie gedemütigt, indem er auf ihr wie auf einem Schwein geritten sei und sie wiederholt auf die Art, wie es die Affen gerne machen, missbraucht. Das alles wäre schon lange her und sollte längst vergessen sein. Ich verstand jetzt die Betroffenheit von Madeleine angesichts dieses Erlebnisses. Sie schwor, auf Rache zu sinnen. Diese erfolgte in Form von einer Peitsche, die Madeleine an jenem Tag, an dem ich erstmals mit Franziska geschlafen hatte, in Franziskas Zimmer geschwungen hatte, als dieser wieder einmal ihrer Tante bei der Masturbation zusah. Das geschah nach der Vergewaltigung. Der Unhold wurde schwer getroffen und lief blutüberströmt nach Hause. Madeleine meinte bloß, dass sie beide quitt seien und sie nichts zu verlieren habe. Er ließ sich danach auch tatsächlich nicht mehr blicken. Aber selbst jetzt sah man noch die Spuren der Peitsche in seinem Gesicht und an seinen Händen.
Franziska hatte dieses schreckliche Erlebnis also verdrängt und in ihrer Verzweiflung, die Madeleine mit ihr teilte, einen Sexualpartner gesucht, der sie verstünde und dazu imstande sei, sie zu befriedigen; besonders aber durch hochkarätigen, gesteigerten Sex das schreckliche Erlebnis aus ihrem Bewusstsein zu verdrängen. Dies war ihr nach vielen Wochen auch recht gut gelungen, da sie mit mir einen willigen, bisher unerfahrenen Sexualpartner hatte. Das Schicksal von Madeleine wäre ein Punkt gewesen, der nichts mit dieser Sache zu tun habe, aber ihr ebenso helfen konnte. Ich war also der Rettungsanker in einer Angelegenheit gewesen, der sexuelle Störungen hervorgerufen aufgrund von schrecklichen Erlebnissen bzw. der Unerfahrenheit verschiedengeschlechtlicher sexuellen Kontakte verbunden mit baldigem Tod, ausmerzen sollte.
Ich ließ es geschehen, dass Franziska ihren Peiniger mit einem Mehrzweckmesser wie ein Schwein abstach als Rache dafür, dass sie einmal die wehrlose Sau für ihn gewesen war. Er sank nach einer Anzahl von gut platzierten Messerstichen, die gegen seinen Körper gerichtet waren, blutüberströmt zu Boden.
Copyright Jürgen Heimlich 2000
Zugriffe heute: 6 - gesamt: 308.

